Elefantengrund   Roman von Bernhard Luipold

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>>>weiter Leseprobe 3

 

 

 

 

... Ein gut gefüllter und ein leerer Cognacschwenker standen vor ihm auf der Rauchglasplatte. Ein gutsituierter, älterer Herr mit silbergrauem Haarkranz, dem es bislang mühelos gelungen war, mir mit seinen Erzählungen aus aller Welt, in der er herumgekommen war, zu imponieren.

"Setz dich", sagte er, und ich ließ mich durchaus dankbar, aber beklommen in den gepolsterten Herrensitz sinken. "Ich habe sie verprügelt", verkündete er lapidar und schenkte mir das Glas halbvoll. "Ich weiß", fuhr er fort, "das tut man nicht, noch weniger redet man darüber."

Er hob mir das Glas zu, und ohne die Geste zu erwidern trank ich mit ihm.

"Es ist leider nicht das erstemal", sagte er. "Aber es war nötig."

Mir war vorher schon nicht feierlich zumute gewesen, doch von diesen wenigen Worten wurde mir übel. Rasch nahm ich noch einen Schluck.

"Was sagt sie?" fragte er.

"Sie sagt", antwortete ich mit belegter Stimme, "sie habe sich am Küchenschrank gestoßen."

Er nickte: "Ja, das kann man sagen."

Eine unbehagliche Stille breitete sich aus, während der er versonnen, ja fast heiter in eine offenbar rosige Vergangenheit blickte.

"Wir Männer", setzte er an, und er schien aufzutauchen, als wäre er ein Wesen, das gewöhnlich in einer anderen Flüssigkeit zu Hause ist. Er beugte sich vor, um mir nachzuschenken, "wir Männer leben in einer Frauenwelt. Das glaubst du nicht? Es ist so, und es tut uns gar nicht gut. Wir Männer werden vor die Hunde gehen. Zuletzt werden wir, ob mit Schwanz oder ohne, eine Weiberwelt bevölkern. Wir werden alle Weiber sein."

Er stand auf und ging zu der Vitrine, in der er Mitbringsel aus aller Welt verwahrte. Er zog einen Schlüssel aus der Tasche und schloß auf. Er nahm ein ledernes Etui heraus, legte es auf die Glasplatte, setzte sich wieder und schenkte nach. Er klappte das Etui auf. Eine kleine, schwarzmetallene Pistole kam zum Vorschein.

"Ein Freund hat sie mir gegeben", sagte er, "in Amerika. Das FBI kennt die Züge ihres Laufs genau. Ein Projektil aus dieser Waffe hat einen Menschen umgebracht."

"Warum behältst du sie?" fragte ich erstaunt. "Wirf sie in einen Fluß. Laß sie verschwinden."

Er schüttelte verächtlich den Kopf. "Du verstehst nicht, was eine Pistole für einen Mann bedeutet."

 

 

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