... Ein gut
gefüllter und ein leerer Cognacschwenker standen vor ihm auf der
Rauchglasplatte. Ein gutsituierter, älterer Herr mit silbergrauem Haarkranz,
dem es bislang mühelos gelungen war, mir mit seinen Erzählungen aus aller
Welt, in der er herumgekommen war, zu imponieren.
"Setz dich",
sagte er, und ich ließ mich durchaus dankbar, aber beklommen in den
gepolsterten Herrensitz sinken. "Ich habe sie verprügelt", verkündete er
lapidar und schenkte mir das Glas halbvoll. "Ich weiß", fuhr er fort, "das
tut man nicht, noch weniger redet man darüber."
Er hob mir das
Glas zu, und ohne die Geste zu erwidern trank ich mit ihm.
"Es ist leider
nicht das erstemal", sagte er. "Aber es war nötig."
Mir war vorher
schon nicht feierlich zumute gewesen, doch von diesen wenigen Worten wurde
mir übel. Rasch nahm ich noch einen Schluck.
"Was sagt sie?"
fragte er.
"Sie sagt",
antwortete ich mit belegter Stimme, "sie habe sich am Küchenschrank
gestoßen."
Er nickte: "Ja,
das kann man sagen."
Eine unbehagliche
Stille breitete sich aus, während der er versonnen, ja fast heiter in eine
offenbar rosige Vergangenheit blickte.
"Wir Männer",
setzte er an, und er schien aufzutauchen, als wäre er ein Wesen, das
gewöhnlich in einer anderen Flüssigkeit zu Hause ist. Er beugte sich vor, um
mir nachzuschenken, "wir Männer leben in einer Frauenwelt. Das glaubst du
nicht? Es ist so, und es tut uns gar nicht gut. Wir Männer werden vor die
Hunde gehen. Zuletzt werden wir, ob mit Schwanz oder ohne, eine Weiberwelt
bevölkern. Wir werden alle Weiber sein."
Er stand auf und
ging zu der Vitrine, in der er Mitbringsel aus aller Welt verwahrte. Er zog
einen Schlüssel aus der Tasche und schloß auf. Er nahm ein ledernes Etui
heraus, legte es auf die Glasplatte, setzte sich wieder und schenkte nach.
Er klappte das Etui auf. Eine kleine, schwarzmetallene Pistole kam zum
Vorschein.
"Ein Freund hat
sie mir gegeben", sagte er, "in Amerika. Das FBI kennt die Züge ihres Laufs
genau. Ein Projektil aus dieser Waffe hat einen Menschen umgebracht."
"Warum behältst
du sie?" fragte ich erstaunt. "Wirf sie in einen Fluß. Laß sie
verschwinden."
Er schüttelte
verächtlich den Kopf. "Du verstehst nicht, was eine Pistole für einen Mann
bedeutet."